Wirksam. Führen. Verändern. #04
Herzlich Willkommen zur vierten Ausgabe meines Newsletters Wirksam.Führen.Verändern.
Alle 14 Tage teile ich neue Impulse für wirksames Führen und Verändern mit Dir. Freue Dich auf praxisnahe Impulse, die Dich direkt in die Handlung bringen.
Wir interpretieren, was wir sehen.
In Führung gibt es diese Momente, in denen Menschen anders reagieren, als Du es von Ihnen erwartest. Von Ihren Aktionen oder Reaktionen überrascht, versuchst Du das Verhalten zu verstehen. Es gelingt Dir jedoch nur mäßig, denn wirklich wissen kannst Du die Beweggründe der anderen Menschen nicht.
Du bist ein Beobachter. Einen direkten Zugang zu der Innenwelt der Anderen hast Du nicht. Nicht weiter verwunderlich, so fällt Dir doch der Zugang zum eigenen Kern oft selbst schwer. Die Realität ist Deine Realität. Basierend auf den erlebten Erfahrungen stellt Dein Gehirn Interpretationen und Vorhersagen an. Ganz individuell und nicht vergleichbar.
Die eigenen Erfahrungen begleiten Dich. Sie sind wie ein Rucksack beim Wandern. Gut gefüllt mit unterschiedlichen Unterstützern, die Du für Deine Reise brauchst. Mal geben Sie Dir Energie, wie eine Flasche Wasser. Mal erschweren Sie Dir den Weg, wie ein schwerer Atlas voller Karten. Du hast Sie immer im Gepäck und trägst Sie jeden Tag durch Dein Leben.
Deinen Erfahrungen ist kein Weg zu weit.
Bestimmte Reize im Äußeren können Sie ans Licht bringen. Dein Gehirn erkennt eine Situation und vergleicht diese mit bereits Erlebtem. Das sich Zeit, Kontext und die Beteiligten der Situation verändern können, wird oft zur Nebensache. So kommt es zu den eingangs genannten Momenten, in denen wir überrascht zum Kopfschütteln neigen.
Vorsicht vor zu schnellen Urteilen.
Mit diesem Wissen kannst Du Dir nun einzelne Situationen in Deinem Führungsalltag anschauen. Wenn die Realität Deine individuelle Interpretation ist, dann bedeutet dies, dass eine Bewertung nur subjektiv möglich ist.
Prüfe einmal für Dich, wie schnell du eine Situation in eine vorbereitete Schublade packst.
Menschen haben verschiedene Seiten.
Jeder Mensch hat mehrere Seiten. Vom emphatischen Zuhörer bis hin zum wütenden Einsiedler. Welche Seite wir von uns preisgeben hängt von der individuellen Situation ab.
Lass uns gemeinsam einen Blick auf mögliche Situationen in Führung werfen, in denen Deine Wahrnehmung Dich (ver-)leitet:
Zurückhaltung ist nicht gleich Desinteresse.
Beteiligung muss nicht immer in Worte gefasst werden. Denken erfordert Raum. Stille ist dafür ein gern genutztes Mittel.
In einem Meeting zeigt sich ein Mitarbeiter zurückhaltend. Neugierig stellt er normalerweise viele Fragen und denkt immer einen Schritt voraus. Heute bemerkst Du, dass er sich nicht an der Diskussion beteiligt. Du brauchst seine Perspektiven, um mögliche Entwicklungen abzuschätzen. Sein Schweigen überrascht Dich und Deine wachsende Unruhe ist spürbar.
Dein Urteil ist gefällt. Du interpretierst sein Schweigen als Desinteresse. Du lädst Ihn zu einem Gespräch ein. Erklärst Ihm Deine Beobachtungen und teilst Deine Wahrnehmung.
Überrascht ist nun er selbst. Deine Erklärungen im Meeting haben Ihn ins Denken gebracht. Dabei hat Ihn besonders ein Gedanke gepackt. Um diesen nicht zu verlieren, hat er geschwiegen anstatt wie gewöhnlich Fragen zu stellen. Er teilt den Gedanken mit Dir. Es ist der entscheidende Schritt, um das Ziel zu erreichen.
Denken braucht Raum. Stille lässt Fragen und Antworten wirken.
Ein starker Auftritt ist kein Zeichen für Sicherheit.
Je lauter, desto mehr Gehör finden Menschen. Dabei ist dies häufig nur ein Schutzschild. Der erste Blick trügt.
In einer Videokonferenz mit Deinem Team bemerkst Du, dass ein Mitarbeiter sehr aktiv kommuniziert. Er findet deutliche Worte und bringt dadurch einiges in Bewegung. Du bist irritiert, denn die Führungskraft bist Du selbst. Dein Team zeigt sich ebenfalls verwundert. Unklarheit zeigt sich wie ein dichter Nebel in der Situation.
Dein Urteil steht. Du interpretierst seine Klarheit als Kompetenzüberschreitung. Du bittest Ihn noch fünf Minuten länger im Call zu bleiben. Du möchtest die Situation klären.
Irritiert über seine Wirkung hört er Deinen Erklärungen zu. Du bemerkst, dass Ihm die Worte fehlen. Seine Gesichtsfarbe verändert sich und Du erkennst Schweißperlen auf seiner Stirn. Unsicher sucht er nach den passenden Worten. Die anstehende Veränderung bereitet Ihm große Sorgen. Er wollte Deine Rolle nicht in Frage stellen.
Ein starker Auftritt kann blenden. Unsicherheit zu zeigen braucht Vertrauen.
Meine Learnings:
Halte Deine Schubladen geschlossen.
Einfacher gesagt als getan. Gerade in stressigen Situationen kann ich dieses Wissen nicht immer abrufen. Es ist, als wenn die Türe hierzu verschlossen ist. Dabei ist Sie normalerweise rund um die Uhr geöffnet. Jederzeit bereit für meinen Besuch.
In meiner Coachingausbildung habe ich die Haltung des Nichtwissens kennengelernt. Als Coach ist es entscheidend, dem Anliegen des Klienten einen sicheren Raum zu geben. Ohne Bewertung zuzuhören. Neugierig gut ausgewählte Fragen zu stellen. Auf diese Weise werden die Lösungswege des Klienten für Ihn selbst sichtbar.
Eine Kombination, die einen echten Unterschied macht.
Raum geben. Zuhören. Fragen stellen.
In Führung nutze ich diese Kombination sehr gerne. Sie hilft mir dabei, mich in der eigenen Bewertung zurückzuhalten. Meine Schubladen bleiben dadurch häufiger aufgeräumt und geschlossen. Es gelingt mir nicht immer und gleichzeitig ist der erneute Versuch wertvoll.
Meine Unterstützer:
Fragen, die Raum geben:
- Was irritiert mich gerade in der Situation?
- Wofür ist das wahrgenommene Verhalten wertvoll?
- Was passiert, wenn ich mich einen Moment zurücknehme?
Modelle, die mich beim Verständnis unterstützen können:
- Das Seitenmodell von Gunther Schmidt - welche Seiten hat meine Persönlichkeit?
- Das Modell des inneren Teams von Friedemann Schulz von Thun - wer bin ich gerade?
- Das VAKOG Modell der unterschiedlichen Lerntypen aus dem NLP - wie lerne ich?
Mein Impuls für Dich:
In einer Welt, in der sich alles dynamisch und schnell verändert, ist die Bewertung eine Herausforderung. Potenzielle Gefahren zu erkennen war schon zu Zeiten des Säbelzahntigers entscheidend. Auch heute spielt Schnelligkeit eine wichtige Rolle.
Prüfe trotzdem regelmäßig Deine Bewertungen. Wäre es für Dich hilfreich, auf die Bewertungsbremse zu treten? Schließe Deine Schubladen. Nimm wahr. Verstehe.
Du wirst überrascht sein, welche neuen Perspektiven ermöglicht werden.
Ich wünsche Dir neue und wertvolle Erfahrungen mit meinem Impuls.
Wirksame Grüße,
Dein Daniel